31.01.2018 08:00 0 Kommentare

Lebensraum in der Stadt

Vielfalt führt zu Vielfalt

Es gibt in Deutschland etwa 20 Millionen Haus- und Kleingärten – zusammengenommen entspricht das etwa der Fläche aller nationalen Naturschutzgebiete. Diese riesige, nicht bebaute Fläche inmitten der Städte und Dörfer ist inzwischen ein Rückzugsort für viele Pflanzen und Tiere. Nicht zuletzt, weil in der freien Landschaft aufgrund der heute üblichen Agrarwirtschaft vielfach Lebensräume verloren gehen, suchen sie sich Nischen in Parks und öffentlichen Grünflächen, mehr und mehr aber auch in privaten Gärten.

Mischwald Stadt

Untersuchungen zeigen, dass  die Artenvielfalt in Städten heute schon höher ist als auf dem Land. An den Stadträndern von München beispielsweise fand man mehr unterschiedliche Vogel- und Schmetterlingsarten als auf der offenen Feldflur. In Berlin leben Schätzungen zufolge sogar mehr Pflanzenarten als in der freien Natur in Deutschland. „Das Bild von der ‚schlechten Stadt‘ und dem ‚guten Land‘ muss dringend revidiert werden" fordert Professor Josef Reichholf, Hauptkurator der zoologischen Sammlung München, der die Stadtnatur seit Jahrzehnten studiert. „Die Stadt ist ein ‚Mischwald‘, wie es ihn in dieser Mischung und Vielfalt nirgends gibt."Vor allem Stadtbewohner, das sind immerhin fast 70 Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung, ahnen das oft nicht einmal. Dabei gilt es gerade dort für die Vielfalt von Pflanze und Tier etwas zu tun. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, sagt dazu: „Städte spielen eine zentrale Rolle bei der Realisierung einer klimagerechten Entwicklung und bei der Biodiversität.“

Privater Beitrag zur Artenvielfalt

Klimaexperten sehen die Stadt als ein Netzwerk von Grünelementen, in dem öffentliche und private Grünflächen miteinander korrespondieren. Städteplaner empfehlen statt weniger großer ein System vieler, möglichst unterschiedlicher Grünflächen, um Städte lebenswert zu machen. Dies bestätigt auch Helmut Selders, Präsident des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V.: „Bäume und Sträucher, Hecken, Staudenrabatten und sogar die Dach- und Fassadenbegrünung tragen zum Klima einer Stadt bei – auch als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Mit der Pflanzenwahl und der konkreten Gestaltung ihrer Grünflächen können Gartenbesitzer, selbst wenn der Garten nur klein ist, einen Beitrag zur natürlichen Vielfalt leisten.“ Wer möchte, dass mehr Vogelarten in seinen Garten kommen, der muss ihnen allerdings mehr bieten als kurzgemähtes Gras. Wie wäre es beispielsweise, einen kleinen Teil des Rasens umzugraben und stattdessen ein Beet aus blühenden Stauden und Kleingehölzen anzulegen? Der Garten würde nicht nur bunter und abwechslungsreicher, sondern böte auch Vögeln, Schmetterlingen und anderen Nützlingen wertvollen Lebensraum.

Jede Vogelart bevorzugt andere Pflanzen. Bei Körnerfressern sind zum Beispiel vor allem ölhaltige Samen von Edeldisteln, Astern oder anderen Stauden, aber auch von zahlreichen Ziergräsern beliebt. Die Hagebutten der Wildrosen werden besonders von Rotkehlchen und Wacholderdrosseln geschätzt. Hecken, die mit Dornen versehen sind, geben außerdem ideale Nistplätze ab. Sie sind ein gutes Versteck und Räuber wie Katzen haben es schwer an die Jungtiere zu kommen. Um den daheimgebliebenen Vogelarten den Winter zu erleichtern, sollte man die Gehölze und Stauden, in denen sie sich aufhalten, erst im Frühjahr zurechtstutzen.

Es gibt aber auch ganz handfeste Gründe dafür, seinen Garten für die diversen Wildtierarten attraktiv zu machen: Die neuen Mitbewohner leisten eine große Hilfe beim Auflockern des Bodens, bei der Bestäubung der Pflanzen und bei der Schädlingsbekämpfung. Inzwischen sind sogenannte Insektenhotels sehr in Mode gekommen, kleine Holzhäuschen, die die winzigen Nützlinge anlocken und ihnen eine Möglichkeit zum Überwintern bieten. Vor allem in Familiengärten sind auch Igel gern gesehene Gäste. Gut zu wissen, dass sie am liebsten nachts Jagd auf gefräßige Nacktschnecken machen!

Frühlingszeit ist Pflanzzeit

Jetzt im Frühling gilt es zu pflanzen, was noch in diesem Sommer zum Gartenvergnügen beiträgt und das ist für mehr und mehr Gartenbesitzer das eigene Obst. Wer Beerensträucher und Obstbäume im Garten hat, kann vergessen geglaubte Aromen und Geschmacksrichtungen neu entdecken. Im Lebensmittelhandel gibt es heute nur noch ein schmales Sortiment Äpfel – auch das ist ein Verlust an Artenvielfalt! Dabei gibt es in Baumschulen und im Fachhandel eine große Auswahl an Apfelsorten, die man im eigenen Garten ernten kann. Das Gleiche gilt für Birnen, Pflaumen, Zwetschgen, Kirschen, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und sogar Kiwis … lassen Sie sich von der Vielfalt überraschen!

Ein Garten, der reichhaltig ist an Pflanzen und der auch der heimischen Tierwelt zu Gute kommt, ist ein lebensfroher Garten: das bunte Farbspektrum der Blüten, die Düfte, die die Luft mal blumig, mal grün und mal erdig erfüllen, Schmetterlinge, die munter durch den Garten flattern, leckeres Obst zum Naschen, Vogelgezwitscher und mittendrin stolze Gartenbesitzer. Gerade jetzt im Frühjahr ist die richtige Zeit, um den Garten mit neuen Pflanzen zu bereichern und damit mehr Lebensraum für die Natur zu schaffen.

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